Elbkinder feiern 10 Jahre Unterstützte Kommunikation für alle
Wenn das Herz mit den Händen spricht
Wenn Kinder sich verstanden fühlen, können sie Beziehungen knüpfen und ihre Wünsche, Ideen und Gefühle ausdrücken. Doch nicht allen Kindern fällt das Sprechen und das Verstehen gesprochener Sprache gleich leicht. Manche brauchen zusätzliche Wege, um sich mitzuteilen und andere zu verstehen. Das Elbkinder-Projekt „Unterstützte Kommunikation für alle“ („UK für alle“) verfolgt seit 10 Jahren das Ziel, Kommunikation für alle Kinder zugänglich zu machen – unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen. Diesen Sommer feiert es Jubiläum.
Kommunikation für alle Kinder öffnen
„UK für alle“ kombiniert gesprochene Sprache, Gebärden der Deutschen Gebärdensprache und METACOM-Symbole – und das mitten im Kita-Alltag. Die visuellen Kommunikationsmittel unterstützen Kinder dabei, Sprache besser zu verstehen und sich auszudrücken. Besonders hilfreich sind sie für Kinder, die sich schwer artikulieren können, die Informationen schlechter über das Hören als über das Sehen verarbeiten können, für Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerungen oder für Kinder, die Deutsch zunächst als neue Sprache kennenlernen. Gleichzeitig profitieren alle Kinder von der Unterstützten Kommunikation und probieren sie freudvoll aus. „In unseren Familiengruppen schaffen die Gebärden eine gemeinsame Sprache für die Kinder von 1 bis 7 Jahren“, berichtet Manuela Öhlmann, Leiterin der Elbkinder-Kita Hospitalstraße.
Gemeinsam gewachsen
Was als Pilotprojekt 2016 in 8 Elbkinder-Kitas begann, hat sich in den vergangenen 10 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Seitdem wurden Fachkräfte aus 79 verschiedenen Elbkinder-Kitas geschult – und inspirieren einander bei regelmäßigen Vernetzungstreffen. Durch die Kooperation mit Prof. Barbara Hänel-Faulhaber von der Universität Hamburg und ihr BMBF-Projekt konnte das Projekt wissenschaftlich begleitet werden. Die Erfahrungen und das Engagement der pädagogischen Teams und die fachliche Begleitung durch den Träger haben dazu beigetragen, Unterstützte Kommunikation fest im Alltag vieler Einrichtungen zu verankern. „Das Projekt beweist, wie wertvoll vielfältige Kommunikationswege sind: Wo Menschen einander verstehen, entsteht Verbindung und Teilhabe“, betont Elbkinder-Geschäftsführerin Christine Schaerffer.
Wie funktioniert Unterstützte Kommunikation im Kita-Alltag?
Die Gebärden, METACOM-Symbole oder die „3er-Kombinationskarten“ aus Gebärdenfoto, METACOM-Symbol und geschriebenem Wort werden dort eingesetzt, wo Kommunikation täglich stattfindet: beim Essen, beim Morgenkreis, bei Übergängen, beim Spielen, Singen usw. – durch die wiederkehrende Nutzung lernen Kinder und pädagogische Fachkräfte gemeinsam einen alltagsnahen Wortschatz.
„In unserer Kita verstehen wir das Recht sich mitzuteilen und verstanden zu werden als absolutes Grundrecht. Wir nutzen unterschiedlichste Hilfsmittel, um individuell auf Bedürfnisse eingehen zu können. UK für alle sehen wir als Brücke dafür, dass kein Erwachsener und kein Kind sprachlos bleibt. Alle bekommen eine Stimme, egal welchen Weg wir dafür gemeinsam gehen“, beschreibt es auch Isabel Fresemann, Ergotherapeutin in der Elbkinder-Kita Henriette-Herz-Ring.
Verstehen verbindet
Schon in den ersten Projektjahren zeigte sich, wie selbstverständlich Kinder die neuen Ausdrucksmöglichkeiten aufgreifen. Gebärden und Symbole halfen bei der Orientierung im Tagesablauf und viele Kinder begannen, die neuen Kommunikationswege untereinander einzusetzen. „UK für alle ist viel mehr als eine Methode: Sie macht sichtbar, was jedes Kind zu sagen hat“, beschreibt Franziska Sterner, Pädagogische Fachberatung bei den Elbkindern und Projektentwicklerin und -begleiterin von „UK für alle“, die Strahlkraft des Projekts. „Ein Kind, das oft nicht gehört wird, weil seine Signale nicht wahr- oder ernstgenommen werden, zieht sich möglicherweise zurück und resigniert oder reagiert durch herausfordernde Verhaltensweisen. Ein Mangel an Kommunikationsmöglichkeiten erschwert auch das Kennenlernen der Welt und kann sich auf die kognitive Entwicklung auswirken.“
Projekt lebt vom Engagement der Mitarbeitenden
Schrittmacher der „UK für alle“ sind jene Fachkräfte, die sie im Kita-Alltag nutzen: die sich Wissen aneignen, es anwenden, im Team teilen und mit der Zeit (kreativ) erweitern. „Sie halten UK für alle lebendig und machen für die Kinder einen Unterschied“, dankt Elbkinder-Geschäftsführerin Schaerffer den beteiligten pädagogischen und therapeutischen Fachkräften. „Die Unterstützte Kommunikation ist für uns ein unverzichtbarer Beitrag zur inklusiven Pädagogik – in Integrations- wie in Regel-Kitas.“